
Cloud Banking: Die Zukunft der Banken und wie der Sektor 2030 aussieht
Mit KI zusammenfassen
Cloud Computing rückt für IT-Verantwortliche, Vorstände und Aufsichtsgremien immer stärker in den Fokus. In ihrer Umfrage von 2021 stellte die Economist Business Intelligence Unit fest: 72 % der Führungskräfte im Bankensektor sind überzeugt, dass sie ihre Geschäftsziele leichter erreichen, wenn sie Cloud-Technologie in ihre Produkte einbauen. Der Weg in die Cloud hat längst begonnen. Große Finanzdienstleister wie Deutsche Bank, Wells Fargo, Goldman Sachs und HSBC haben schon 2020 Vereinbarungen mit AWS, Google Cloud und Azure bekannt gegeben.
In diesem Artikel zeigen wir, wie Finanzdienstleistungen mit der Cloud künftig aussehen und wie die Cloud zum Treiber für die Transformation Ihres Geschäfts werden kann. Im hart umkämpften Finanzsektor kann sie sogar den Ausschlag geben.
Was ist Cloud Banking?
Die Bank von 2030 wird ganz anders aussehen als heute. Die Erwartungen der Kunden ändern sich, Technologien entwickeln sich weiter, neue Geschäftsmodelle entstehen. Banken müssen deshalb schon jetzt Strategien aufsetzen, um sich auf diese Zukunft vorzubereiten. Cloud Banking etwa rückt für CIOs, Vorstände und Aufsichtsgremien in den Fokus.
Cloud Banking bedeutet, dass eine Bank die Infrastruktur für ihr Kerngeschäft und ihre Finanzdienstleistungen ohne eigene physische Server betreibt und verwaltet.
Wie funktioniert Cloud Banking?
Microsoft, Google, Azure und andere Cloud-Anbieter betreiben die komplexe Cloud-Infrastruktur und stellen sie Banken gegen festgelegte Gebühren zur Verfügung. Typische Servicemodelle sind:
- Infrastructure-as-a-Service (IaaS): liefert eine vollständige Bankinfrastruktur für den Geschäftsbetrieb und die Integration von Software. IaaS bietet die größte Flexibilität und die meiste Kontrolle über die IT-Ressourcen und ähnelt am stärksten der IT, die viele IT-Abteilungen und Entwickler heute kennen.
- Software-as-a-Service (SaaS): stellt Banksoftware aus der Cloud bereit, etwa für Buchhaltung, Rechnungsstellung, Kundenbeziehungsmanagement und andere geschäftliche Aufgaben. Mit SaaS müssen Sie sich nur darum kümmern, wie Sie die jeweilige Software nutzen. Die bekanntesten SaaS-Anwendungen sind Google Docs, Microsoft Office 365, Gmail, Jira und WordPress. SaaS-Anwendungen bieten oft erweiterte Einstellungen und Optionen für Entwicklungsumgebungen. Auch soziale Netzwerke funktionieren nach dem SaaS-Modell.
- Platform-as-a-Service (PaaS): bietet eine Plattform in der Cloud, auf der Banken Anwendungen und Datenbanken entwickeln. Mit PaaS müssen Sie sich nicht um die Beschaffung von Ressourcen, Kapazitätsplanung, Softwarewartung oder die übrige Routinearbeit kümmern, die der Betrieb einer Anwendung mit sich bringt. Bekannte PaaS-Plattformen sind Salesforce Heroku, Google App Engine, VMware Cloud Foundry und IBM Bluemix.
Auch beim Cloud Hosting (den sogenannten Bereitstellungsmodellen des Cloud Computing) gibt es 3 Varianten.
Private Cloud
Ein Anbieter, ein Nutzer: Zugriff auf die darunterliegende Infrastruktur der Cloud haben nur die Mitarbeitenden des Unternehmens.
Public Cloud
Ein Anbieter, viele Nutzer. Mehrere Kunden greifen gleichzeitig auf die Dienste zu, die darunterliegende Infrastruktur verwaltet aber der Anbieter selbst.
Hybrid Cloud
Diese Variante kommt zum Einsatz, wenn Bedenken bei der Sicherheit von Finanzdaten bestehen oder wenn Werkzeuge und Kapazitäten der vorhandenen Private Cloud für die aktuellen Aufgaben nicht ausreichen.

Vorteile von Cloud Banking
Rund 95 % der Banken in den USA und Europa nutzen die Cloud bereits in der einen oder anderen Form, und die Investitionen in diesem Bereich steigen um 30 %. Die größten Akteure haben ihre Server längst in die Cloud verlagert, PayPal zum Beispiel. Startups im Cloud Banking skalieren schnell und nehmen klassischen Banken Marktanteile ab. Große Banken sehen diese Gefahr und investieren deshalb ebenfalls in moderne Technologien.
Die wichtigsten Vorteile durch den Einsatz von Cloud-Technologie:
Das Unternehmen besser vernetzen
- Geschäftsbereiche arbeiten enger zusammen: Sie teilen Daten, treffen abgestimmte Entscheidungen und lösen Kundenprobleme schneller.
- Gemeinsame, verknüpfte Datenbestände entstehen; tiefere und anspruchsvollere Analysen werden möglich; neue gemeinsame Plattformen und Werkzeuge verbessern die Zusammenarbeit, und Entscheidungen fallen schneller.
Den Betrieb widerstandsfähiger machen
- Finanzinstitute werden insgesamt widerstandsfähiger und reagieren schneller auf physische Ausfälle, Störungen und Ähnliches.
Die IT-Sicherheit stärken
- Cloud-Anbieter arbeiten mit sehr strengen Sicherheitsstandards. Richtig umgesetzt und von qualifizierten, geschulten Sicherheitsfachleuten betreut, sind Cloud-Umgebungen genauso sicher wie eigene Rechenzentren oder sogar sicherer.
Nicht zuletzt ist automatisierter Kundenservice für Banken und Finanzinstitute ein Mittel, um Risiken zu senken. Eine eigene Infrastruktur aus Software und Servern zu betreiben, lohnt sich immer weniger: Updates, Personal und Fehlerbehebung verursachen zusätzliche Kosten. Mit Cloud Banking lassen sich Finanzdaten von Kunden sicherer, günstiger und schneller speichern, verarbeiten und zwischen Banken austauschen.

Wichtige Trends und Ansätze im Bankensektor
Erstens hat die Cloud im Bankwesen in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, als Private Cloud ebenso wie als Public Cloud. Laut dem Analysehaus Gartner liefen 4 % der kommerziellen Kernbankensysteme (CBS) im Jahr 2020 in einer Private Cloud, weitere 2,5 % in einer Public Cloud. Bei Fintech-Startups dominiert die Technologie sogar. Fast ¾ der neuen Anbieter von Banksoftware nutzen Cloud-Dienste für das Deployment.
Zweitens setzen große Banken zunehmend auf eine hybride Cloud. Wegen hoher Sicherheitsanforderungen halten sie die sensibelsten Daten und kritische Infrastruktur in einer Private Cloud innerhalb des eigenen Instituts. Zusätzliche Werkzeuge und Partnerdienste lassen sich über eine Public Cloud anbinden.
Drittens hat die breite Nutzung von Finanzdienstleistungen aus der Cloud die Rolle von APIs in der App-Entwicklung und bei der Integration verschiedener Systeme deutlich gestärkt. Immer mehr Organisationen bauen ihre Architektur so auf, dass die Systeme über APIs miteinander kommunizieren.
Wie geht es weiter?
Die Rolle der Cloud in Bankdienstleistungen und Bankprodukten wächst von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig sinken die Softwarekosten für die Mitarbeitenden von Banken und Finanzinstituten. Laut Gartner werden bis 2025 mehr als 75 % der Organisationen Cloud-Technologien einsetzen, um die Kosten für ihre Arbeitswerkzeuge zu optimieren und benötigte Dienste über die Cloud bereitzustellen.
Mit Cloud-Technologien im Bankwesen wird es deutlich mehr Zahlungssysteme als Service geben. Der größte Vorteil dieses Ansatzes: Die Zeit, bis ein Produkt auf den Markt kommt (Time-to-Market), verkürzt sich erheblich.
Zum Schluss
Die Vorteile der Cloud für Banken werden immer deutlicher: zufriedenere Kunden, schnellere Produktentwicklung und Systeme, die sich flexibler skalieren lassen. Der Umstieg in die Cloud eröffnet außerdem neue Möglichkeiten, Daten umfassender abzurufen und auszuwerten, und bietet die Chance, durch Automatisierung erheblich Kosten zu senken.
Für konkurrierende Banken ist die Cloud Teil ihrer Technologiestrategie geworden. Ein Beispiel ist die US-amerikanische Capital One Bank, die dank Cloud-Technologie die Zahl ihrer Rechenzentren von 8 auf 3 reduziert hat.
Die Bank of America (BOA) gibt bis zu 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr für Technologie aus, unter anderem für Chatbots, mobile Apps und die eigene Cloud. Mit deren Aufbau begann eine der größten Banken der USA im Jahr 2013. Dabei verzichtete BOA bewusst auf Dienste von Drittanbietern wie Amazon, Microsoft und Google. Die eigene Cloud spart der Bank of America jährlich 2 Milliarden US-Dollar. Die Neuerungen der BOA blieben in der Bankenwelt nicht unbemerkt: Global Finance setzte die Bank im jährlichen Ranking der Banken weltweit auf Platz eins, unter anderem für herausragende Finanzdienstleistungen und technologische Bankprodukte.
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